Milena Miklavčič – Autorin, Journalistin und Oral-History-Forscherin
Ende der 1980er-Jahre begann Milena Miklavčič (geb. 1952) bei Radio Sora zu arbeiten. Sie sagt selbst, dass dies – was Kreativität und Schaffenskraft betrifft – eine der lebendigsten Phasen ihres Lebens gewesen sei.
Schon damals interessierte sie sich dafür, wie die Menschen in Slowenien vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute gelebt haben, insbesondere für ihre Sexualität und ihre intimen Beziehungen – Themen, die damals wie heute in der öffentlichen Diskussion weitgehend tabuisiert sind.
Ihre ersten Geschichten stellte sie in der viel beachteten Radiosendung Zanimivi ljudje živijo med nami („Interessante Menschen leben unter uns“) vor. Nach etwas mehr als einem Jahr entwickelte sich daraus die Zeitungsserie Usode („Schicksale“) in der Regionalzeitung Gorenjski glas. Diese erscheint bis heute.
Manche Fachleute rieten ihr davon ab, in intime Details vorzudringen. Doch gerade das Verborgene, Verschwiegene und Verbotene hatte sie schon immer besonders interessiert.
„Das Schweigen über Sexualität war und ist noch immer wie eine Omertà“, sagt Milena Miklavčič.
Dass es ihr gelang, dieses Schweigen zu durchbrechen, grenzt beinahe an ein Wunder. Noch heute wird in vielen Familien kaum oder gar nicht über Sexualität gesprochen. Deshalb wissen junge Menschen oft nur sehr wenig über das intime Leben ihrer Eltern und Vorfahren.
Als sie ihre Arbeit beim Radio begann, schrieb sie zunächst Kindergeschichten für die Sendung Zakajčkov kotiček („Warumchens Ecke“). Diese veröffentlichte sie später 1991 in ihrem ersten Kinderbuch Abeceda iz Zakajčkove ulice („Das Alphabet aus der Warumchen-Straße“).
Ihr Kinderbuch Pri hrastu na levo („Links an der Eiche vorbei“) wurde 2007 zum besten slowenischen Selbstverlegerbuch des Jahres gewählt. Ihr Lieblingsabenteuerroman für Kinder, Pika na B. („Der Punkt auf dem B“), erschien 2008. Es folgten zahlreiche weitere Titel, darunter Šnitka (2009), Marička in medvedek (2010), Kdo je razdrl lastovičje gnezdo? („Wer hat das Schwalbennest zerstört?“), Gal in lačne hruške (2011), Mali-veliki vrtnar (2012), Julia iz Zakajčkove ulice, Ajda in čarovniške težave v pravljični deželi (2018), Kuharske prismodarije (2021) und andere.
Im Jahr 2004 erschien Usode („Schicksale“), sechs Jahre später folgte Ženske („Frauen“), das mehrere Neuauflagen erlebte. Die letzte, erweiterte Ausgabe erschien 2023. Auch ihr Kriminalroman Kje je otrok? („Wo ist das Kind?“) wurde von den Leserinnen und Lesern sehr gut aufgenommen.
Ihr Roman Mehko kot britev („Sanft wie eine Rasierklinge“), der im Mai 2025 veröffentlicht wurde, ist eine fiktionale Erzählung, die auf Geschichten aus der Sammlung Ogenj, rit in kače niso za igrače basiert. Im Mittelpunkt steht unter anderem das Schicksal der Tante Rozi, die als Dienstmädchen in Triest arbeitete. Das Buch wird auch in Kroatien erscheinen und ist über e-Beletrina, direkt bei der Autorin sowie im Buchhandel und in Online-Buchhandlungen erhältlich.
Die Sammlung Ogenj, rit in kače niso za igrače
Dem ersten Band von Ogenj, rit in kače niso za igrače folgte 2017 der zweite Band mit dem Untertitel Babice, hčere, vnukinje („Großmütter, Töchter, Enkelinnen“). Im Jahr 2019 erschienen die Moške zgodbe („Männergeschichten“). Während der Corona-Pandemie entstand der vierte Band Poglejte, moji ljudje prihajajo! („Seht, meine Leute kommen!“). Der fünfte Band Lučkine in druge zgodbe („Lučkas und andere Geschichten“) führt die Leserinnen und Leser in die Welt einer Wahrsagerin, die mehr als vierzig Jahre lang die Geschichten der Menschen aufzeichnete, denen sie die Zukunft vorhersagte.
Auf rund 1.700 Seiten versammelt die Reihe mehrere Tausend wahre Geschichten. Die Bücher gehören zum Bereich der Citizen Science und sind im slowenischen Kulturraum einzigartig.
Milena, die sich selbst als „die letzte Geschichtenerzählerin“ bezeichnet, interessiert sich vor allem für das Leben von Frauen innerhalb der Familie – für ihre Beziehungen zu Ehemännern, Kindern, Schwiegermüttern und zu sich selbst.
Die Berichte ihrer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner führen uns in eine Welt, die häufig verborgen bleibt: eine Welt voller Leid, Armut und sexueller Gewalt. Zugleich ist es aber auch eine Welt voller Wärme, Menschlichkeit, Humor und glücklicher Augenblicke, die berühren und Hoffnung schenken.
Literarisches und kulturelles Engagement
Fast zehn Jahre lang moderierte Milena Miklavčič Gesprächsabende mit slowenischen Kulturschaffenden in der Ivan-Tavčar-Bibliothek in Škofja Loka und später auch in Žiri.
Mehrere Jahre organisierte sie im Rahmen der Slowenischen Klöppeltage einen literarischen Wettbewerb. Aus einem ähnlichen Wettbewerb in Trebnje entstand das Buch Zgodbe o dobrih ljudeh („Geschichten über gute Menschen“).
Bis heute schreibt sie für die slowenische Wochenzeitung Nedelo die Ratgeberrubrik Milena svetuje („Milena rät“). Ihre Kolumnen erscheinen außerdem regelmäßig in den Zeitschriften Reporter und Domovina.
Darüber hinaus betreibt sie den Blog Jutri 2052 („Morgen 2052“) und ist regelmäßig Gast in zahlreichen Podcasts.
Verfilmungen und Theateradaptionen
Der erste Band von Ogenj, rit in kače niso za igrače zog die Aufmerksamkeit der Regisseurin Urška Djukić auf sich. Sie schuf daraus den animierten Dokumentarfilm Babičino seksualno življenje („Großmutters Sexualleben“).
Der Film erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen und wurde unter anderem mit dem Europäischen Filmpreis für den besten Kurzfilm ausgezeichnet.
In der Spielzeit 2021/22 brachte die Regisseurin Mirjana Medojević am SNG Maribor das Bühnenstück Prividi kačjega pastirja („Libellenerscheinungen“) auf die Bühne, das auf Geschichten aus Ogenj, rit in kače niso za igrače basiert.
Wissenschaftliche Anerkennung
Der renommierte slowenische Soziologe Zdravko Mlinar schrieb über den ersten Band:
„Aus soziologischer Sicht stellt dieses Buch zugleich eine Herausforderung und eine Gelegenheit dar, auf wichtige inhaltliche, methodologische und erkenntnistheoretische Fragen aufmerksam zu machen, die die Einbeziehung von Laien in partizipative Forschungsprojekte betreffen – ein Ansatz, der international zunehmend an Bedeutung gewinnt. Hinter der populären Form des Buches verbergen sich Inhalte, die selbst professionelle Forscherinnen und Forscher dieses Themenfeldes nicht übersehen können.“
Mlinar betonte weiter, dass zwar auch wissenschaftliche Studien die tiefgreifenden Veränderungen der Sexualkultur und gesellschaftlichen Verhältnisse dokumentieren, jedoch kaum eine Untersuchung diese Entwicklungen so eindrucksvoll und überzeugend sichtbar mache wie die Lebensberichte der älteren Frauen, die Milena Miklavčič gesammelt hat.
Diese Zeugnisse beschränken sich nicht auf Sexualität allein, sondern zeigen zugleich deren Verflechtung mit allen anderen Bereichen des täglichen Lebens. Für die Soziologie stellen sie eine wertvolle Quelle von Informationen und Anregungen dar und liefern zugleich ein überzeugendes Beispiel dafür, wie persönliche Erinnerungen zum Verständnis gesellschaftlicher Geschichte beitragen können.
Heute gilt das Werk von Milena Miklavčič als eine der umfangreichsten Sammlungen mündlich überlieferter Lebensgeschichten in Slowenien. Es bewahrt Stimmen und Erfahrungen, die sonst unwiederbringlich verloren gegangen wären.

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